Urban/Regional Governance

Governance und Planung einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung

Governance und Planung nachhaltiger Stadt- und Regionalentwicklung

Die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen der Stadt- und Regionalentwicklung haben sich innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte stark verändert. Als Ursache dieser räumlichen Transformationsprozesse gelten u.a. der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft, die Intensivierung grenzüberschreitender Ströme an Ideen, Kapital, Gütern und Menschen oder auch die Verschiebungen im Verhältnis zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Diese Wandlungsprozesse gehen einher mit veränderten Einflussmöglichkeiten und Formen öffentlicher Planung und staatlicher Steuerung. Festzustellen ist eine Überformung des einseitig hoheitlich handelnden Staates durch vielfältige Formen kooperativer Planung in Netzwerken, Koalitionen, Runden Tischen oder unterschiedlichen Formen von Public-Private-Partnerships. In vielen Fällen wird die Nutzung weicher, informeller Instrumente, ko-operativer Planungssysteme und öffentlich-privater Arrangements zur Voraussetzung räumlicher Planung, um ihre Steuerungs- und Koordinationsaufgaben überhaupt angemessen wahrnehmen zu können.

Insbesondere die Debatten um raumbezogene Governance thematisieren die veränderte Rollenverteilung zwischen der öffentlichen Verwaltung und nichtstaatlichen Akteuren. Als analytisches Konzept beschreibt Governance alle nebeneinander bestehenden Formen kollektiver Regelung gesellschaftlicher Prozesse: von der institutionalisierten zivilgesellschaftlichen Selbstregelung über verschiedene Formen des Zusammenwirkens staatlicher und privater Akteure über Märkte, Netzwerke, Verbände, Public-Private Partnerships bis hin zum hoheitlichem Handeln staatlicher Akteure. Der Governancebegriff wurde vielfach in der Planungstheorie und sozialwissenschaftlichen Raumforschung aufgegriffen – insbesondere wenn es darum geht, die Umsetzung einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung zu erforschen. Besondere Aufmerksamkeit erhielten dabei die unterschiedlichen Formen kooperativer Planung und deren Eignung, räumliche Entwicklungsprozesse in Städten und Stadtquartieren, Stadtregionen und ländlichen Regionen zu steuern und zu optimieren.

In diesem Zusammenhang setzt sich das Fachgebiet Raum- und Infrastrukturplanung in Lehre und Forschung mit folgenden Fragen auseinander:

  • Durch welche Formen räumlicher Planung und Governance können die komplexen Probleme räumlicher Entwicklung bewältigt und raumspezifischen Potenziale einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung genutzt werden?
  • Welche institutionellen Arrangements eigenen sich, um eine Integration von Fachplanungen und räumlicher Gesamtplanung sowie eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Gebietskörperschaften innerhalb eines Funktionsraums zu gewährleisten?
  • Wie unterscheiden sich die institutionellen Strukturen und Governance-Formen der Raumentwicklungspolitik in Städten und Regionen in Deutschland, Europa und Nordamerika?
  • Welche Leistungsmerkmale haben die kooperativen Formen staatlicher Aufgabenwahrnehmung und öffentlich-privater Zusammenarbeit in der Raumentwicklung? Inwieweit verändern diese die Teilhabe unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure oder Gruppen an politischen Entscheidungsprozessen?

Laufende Projekte

  • Global suburbanisms: governance, land, and infrastructure in the 21st century
  • Graduiertenkolleg UrbanGrad im Forschungsschwerpunkt “Eigenlogik der Städte”