ARL-AK Energiewende

Wissenschaftlicher Arbeitskreis

„Räumliche Politik und Planung für die Energiewende: Zwischen Regionalisierung und Rekommunalisierung?“

Den Anteil der Energie aus regenerativen Quellen und die Energieproduktivität erheblich zu erhöhen, sind mittlerweile zentrale Ziele der deutschen und europäischen Energiepolitik. Hiermit stellen sich nicht nur für die nationale und europäische Politik neue Aufgaben. Indem die Geschwindigkeit auf dem Weg zu einer nachhaltigen Bereitstellung und effizienten Nutzung von Energie mit den Beschlüssen der Bundesregierung deutlich beschleunigt werden soll, stehen auch die lokale und regionale Politik- und Umsetzungsebene vor umfangreichen Steuerungsaufgaben. Aus dem gegenwärtigen Wandel lassen sich Chancen für eine nachhaltige Regionalentwicklung erkennen, wie z. B. positive Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte für bestimmte Räume, die Optimierung von Stoff- und Energiekreisläufen und die Inwertsetzung endogener Potentiale. Gleichzeitig zeigen sich aber auch Risiken, wie z.B. Flächen- und Landschaftsverbrauch, Biodiversitätsverluste sowie zunehmende Raumnutzungskonkurrenzen und Standortkonflikte. Daneben kommt es zu räumlichen Umverteilungseffekten. Diese Entwicklungen stellen die Raum- und Planungswissenschaften sowie die Planungspraxis vor neue Herausforderungen. Eine engere Verzahnung der raumbezogenen Sektorpolitiken und der Raumplanung wird dringlicher denn je.

Ziele und Fragestellungen

Der Arbeitskreis strebt eine kritische Analyse der veränderten Aufgaben und institutionellen Kontexte der räumlichen Planung in der Energieversorgung und -nutzung an. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus verschiedenen Regionen in Deutschland und europäischen Nachbarländern werden Empfehlungen für die räumliche Politik und Planung erarbeitet. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragestellungen:

1. Inwieweit kommt es zu einer Regionalisierung der Energieversorgung, und für welche Aufgabenfelder ist die regionale Ebene bei der Gestaltung der Energiewende geeignet? Welche Rolle spielen regionale Energiekonzepte, regionale Struktur- und Innovationspolitiken sowie Instrumente der Raumordnung?

2. Welche Bedeutung haben neuere Entwicklungen einer Rekommunalisierung der Energieversorgung? Welche (neuen) Aufgaben stellen sich für die Kommunen?

3. Wie beeinflussen aktuelle Trends – etwa die wachsenden Marktanteile transnationaler Großkonzerne oder die Verlagerung energiepolitischer Aufgaben auf die nationale und europäische Ebene – die Gestaltungsmöglichkeiten (und -erfordernisse) regionaler und lokaler Energiepolitik? In welchem Verhältnis stehen die Energiepolitiken auf den verschiedenen Ebenen zueinander, und wie können diese besser koordiniert werden?

4. Welche Raum-, Landschafts- und Umweltwirkungen gehen von den verschiedenen Formen der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien und den Strategien zur Optimierung der Energieeffizienz aus? Inwieweit können negative Effekte durch eine bessere Verzahnung der Raumplanung mit der Umweltplanung vermieden werden?

5. Welche raumwirtschaftlichen Verteilungseffekte gehen mit dem Wandel der Energieversorgung einher („Gewinner- und Verliererregionen“)?

6. Wie lassen sich (neue) lokale und regionale Infrastruktursysteme charakterisieren, die den Anforderungen einer nachhaltigen Energieversorgung entsprechen?

7. Bedarf es neuer regionalwirtschaftlicher Voraussetzungen und Finanzierungsmodelle, um nachhaltige Energieversorgungs- und Energienutzungsformen zu ermöglichen?

8. Welche (neuen) Anforderungen ergeben sich an die räumliche Planung auf lokaler und regionaler Ebene? Welche Akteurskonstellationen, Prozesse und Kooperationsformen begünstigen eine nachhaltige Energieversorgung und -nutzung?

Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an uns.

Mitglieder des Arbeitskreises:

  • Prof. Dr. Claudia R. Binder, Ludwig-Maximilians-Universität, München
  • Prof. Dr. Antje Bruns, Humboldt Universität zu Berlin
  • Dipl.-Geogr. Fabian Faller, Université du Luxembourg
  • Dr.-Ing. Jörg Fromme, Technische Universität Dortmund,
  • Prof. Dr. Sabine Hofmeister, Leuphana Universität Lüneburg
  • Dr. Martina Hülz, Akademie für Raumforschung und Landesplanung
  • Prof. Dr. Helga Kanning, Leibniz Universität Hannover
  • Prof. Dr. rer. pol. Kristine Kern, Leibniz Institut für Regional¬entwicklung und Strukturplanung/Universität Potsdam
  • Prof. Dr. Britta Klagge, Universität Osnabrück
  • Prof. Dr. Jochen Monstadt, Technische Universität Darmstadt
  • Dipl.-Geogr. Lars Porsche, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
  • Dr. phil. Susanne Schön, inter 3 Institut für Ressourcenmanagement
  • Susanne Schubert, MSc., Technische Universität Darmstadt
  • PD. Dr. Irmi Seidl, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft
  • Dipl.-Geogr. Roland Wernig, Planungsgemeinschaft Region Trier