Infrastruktur und Raum

Infrastrukturprobleme und planerische Lösungsansätze in verschiedenen Raumkontexten

Technische Infrastruktursysteme sowie städtische und ländliche Räume entwickeln sich in einer Art koevolutiver Beziehung. Einerseits sind Infrastruktursysteme wie die Energieversorgung, die Wasserver- und Abwasserentsorgung oder die Abfallentsorgung wichtige Motoren räumlichen Wandels. So hat ihre Entwicklung erst die Herausbildung von modernen Städten ermöglicht (etwa durch die Elektrifizierung, die Wasserversorgung- und Abwasserentsorgung). Auch heute hat die Transformation von Infrastruktursystemen – wie die räumlichen Effekte von Liberalisierungs- und Privatisierungsprozessen, der Verbreitung dezentraler und semizentraler Infrastrukturtechnologien oder ökologische Modernisierungsprozesse verdeutlichen – einen erheblichen Einfluss auf den Wandel von Städten und Regionen. Andererseits sind die Infrastruktursysteme jedoch selbst Ausdruck räumlich-institutioneller Konstellationen, z.B. der physische Geografie, der räumlichen Nachfrage, der Unternehmensstruktur oder der Regulierungskultur. Beispielsweise haben Veränderungen in der Stadtgestalt (etwa durch Sub- oder Re-Urbanisierungsprozesse), der wachsende interregionale und globale Wettbewerb und die zunehmenden räumlichen Disparitäten, der demografische Wandel, die Veränderungen der sozialen Kräfteverhältnisse eines Raums oder die generellen Veränderungen in der Aufgabenwahrnehmung des Staa-tes einen wichtigen Einfluss auf die örtliche Infrastrukturversorgung.

Dementsprechend verläuft die Transformation von Infrastruktursystemen raumspezifisch, und es bilden sich lokale bzw. regionale Technologiestile sowie raumspezifische Strukturen der Produktion und Regulierung von Infrastrukturdienstleistungen. Da sich die Infrastrukturprobleme, die soziotechnischen Innovationsbedingungen und die Nachfrage nach Infrastrukturdienstleistungen von Region zu Region unterscheiden, bedarf es räumlich differenzierter Planungsstrategien. Bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien steht die räumliche Infrastrukturplanung jedoch vor einem radikalen Reformbedarf: Durch die weit reichenden Veränderungen innerhalb von Infrastruktursystemen und den übergreifenden räumlichen Wandel müssen öffentliche Aufgaben der Infrastrukturplanung im Umweltschutz, aber auch in der Wirtschafts- und Technologieförderung und in der Daseinsvorsorge mittlerweile in einem veränderten institutionellen Umfeld durchgesetzt werden.

Die Wechselwirkungen zwischen der Raum- und Infrastrukturentwicklung sowie die politischen und planerischen Herausforderungen in der Infrastrukturversorgung theoretisch zu erfassen und empirisch durch Fallstudien im nationalen und internationalen Kontext zu untersuchen, hat sich das Fachgebiet zur Aufgabe gesetzt.

Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt unserer Forschungsaufgaben:

Auf welche Weise beeinflusst der Wandel von Infrastruktursystemen die Entwicklung von Städten oder ländlichen Regionen? Und vice versa, wie wird die soziotechnische Struktur von Infrastruktursystemen durch räumliche Faktoren geprägt?

  • Wie sind Infrastruktursysteme räumlich organisiert und inwieweit verändern sich die Raumbezüge von Unternehmen und Wirtschaftsbeziehungen, der Governance- und Regulierungsinstitutionen oder die Topologie der Technikkstrukturen?
  • Welche kumulativen Wirkungen haben der Wandel von Infrastruktursystemen und die Restrukturierung von Städten und Regionen auf die Aufgaben, institutionellen Strukturen und Raumbezüge städtischer und regionaler Infrastrukturplanung?
  • Durch welche strategischen Ansätze und Methoden kann die städtische/regionale Infrastrukturplanung soziotechnische Innovationen gezielt voranbringen bzw. auf neue Umweltrisiken reagieren (z.B. Szenario- und Foresight-Methoden, Transition/Strategic Niche Management, Risikomanagement)?

Laufende Projekte:

  • Umweltpolitische Governance und Planung in der städtischen Ver- und Entsorgung: Eine vergleichende Analyse des Energie- und Wassermanagements in Toronto, Los Angeles und Berlin (Deutsche Forschungsgemeinschaft, 2007 – 2010)
  • Die politische Ökologie städtischer Infrastrukturen. Eine vergleichende Untersuchung von Ver- und Entsorgungssystemen in den Stadtregionen Frankfurt, Berlin und Ruhr (Hans Böckler Stiftung, 2010 – 2013)
  • Interdisziplinäres Graduiertenkolleg „Topologie der Technik“ (Deutsche Forschungsgemeinschaft)