Schramm

Sophie Schramm

STADT IM FLUSS – DAS SYSTEM DER ABWASSERENTSORGUNG HANOIS IM LICHTE SOZIALER UND RÄUMLICHER TRANSFORMATIONEN

Hanoi, die Hauptstadt Vietnams liegt im Delta des Roten Flusses nur etwa 1,5 – 7 m über dem Meeresspiegel. Mit der beschleunigten Urbanisierung seit Anfang der 1990er Jahre scheint die Balance zwischen Land und Wasser, die das Wesen der Stadt bestimmt, einem tief greifenden Veränderungsprozess unterlegen. Gegenwärtig findet der erste groß angelegte Versuch der Stadtverwaltung Hanois seit den 1930er Jahren statt, die in dynamischen Stadtentwicklungsprozessen entstandenen Infrastrukturen zur Entwässerung und Abwasserreinigung zu vereinheitlichen. Gleichzeitig bringt der Kontext der 1986 eingeleiteten nationalen Reformen Vietnams hin zu einer sozialistischen Marktwirtschaft im Zuge von Đổi Mới (vietnamesisch für „Erneuerung“) mit der Entwicklung von hochwertigen Wohngebieten für die neue Elite auf der einen Seite und rasanter inkrementeller Verdichtung so genannter urbaner Dörfer auf der anderen eine neue stadträumliche Differenzierung mit sich, die sich auch in der Versorgung mit technischen Infrastrukturen manifestiert. Diese Prozesse wirken zusammen und tragen aktuell zu einer Verstetigung der dynamischen Heterogenität der Stadt Hanoi bei.

In der Dissertation wird untersucht, (1) wie das durch den Ausbau eines zentralen Netzes und gleichzeitig durch dezentrale Formen geprägte System der Abwasserentsorgung Hanois zu charakterisieren ist;(2) inwiefern der Ausbau eines einheitlichen und zentralen Abwasserentsorgungssystems vor dem Hintergrund heterogener räumlicher Strukturen aber auch bisher nie dagewesener finanzieller Ressourcen Aussicht auf Erfolg hat oder inwiefern er vielmehr zu einer weiteren Fragmentierung des Stadtraumes beiträgt; (3) welche Gestaltungsoptionen für das Management der Abwasserentsorgung unter aktuellen Bedingungen sowie für seinen Ausbau im Zuge weiterer Prozesse der Stadtentwicklung bestehen.