Diss Akohou

Sagbo Rogatien Akohou Gbacada

Der Klimawandel als Herausforderung für die städtische Wasserver- und Abwasserentsorgung: Eine Untersuchung am Beispiel der Stadt- und Infrastrukturplanung in der Hafenstadt Cotonou (Benin)

Promotionsvorhaben am Fachbereich Bauingenieurwesen und Geodäsie der TU Darmstadt

Der globale Klimawandel stellt vor allem Entwicklungsländer vor enorme Probleme, da diese häufig nicht über die notwendigen finanziellen, technischen und institutionellen Ressourcen verfügen, um effektive Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen. Gerade die Küstenstädte dieser Länder sind von den prognostizierten Extremwetterereignissen (Stürme, Hochwasserereignisse, aber auch Dürren) in besonderem Maße betroffen. Hiermit gehen u.a. erhebliche Herausforderungen für die ohnehin in den meisten Stadtteilen defizitäre Wasserver- und Abwasserentsorgung dieser Städte einher, welche für die Stadthygiene, die öffentliche Gesundheit und Nahrungsmittelversorgung von zentraler Bedeutung sind.

Das angestrebte Promotionsvorhaben setzt sich mit den potentiellen und bereits sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels sowie den verbundenen Anpassungsstrategien in der Hafenstadt Cotonou (Benin) auseinander. Ziel des Promotionsvorhabens ist es, die damit verbundenen Probleme für die Wasserver- und Abwasserentsorgung Cotonous zu untersuchen und Perspektiven einer integrierten Stadt- und Infrastrukturplanung aufzuzeigen. Behandelt werden die folgenden Aspekte:

1. Abschätzung der Vulnerabilität (Exposition gegenüber Belastungen, Sensitivität der Gesellschaft und Infrastrukturen, Bewältigungs- und Anpassungspotenzial) der Küstenstadt Cotonou und ihrer Wasserver- und Abwasserentsorgungssysteme infolge des Klima-wandels

2. Analyse der Wasserver- und Abwasserentsorgung in ausgewählten Stadtteilen Cotonous (technische Ausstattung und räumliche Ausdehnung/Fragmentierung der Netze, Wirtschaftsstruktur und Organisations- und Planungsformen) und des planerischer Handlungsbedarfs.

3. Untersuchung von Möglichkeiten der Stadt- und Infrastrukturplanung, die Resilienz – also die Entwicklung robuster und widerstandsfähiger technischer und sozialer Strukturen – zu erhöhen

Das für einen Zeitraum von drei Jahren geplante Promotionsvorhaben umfasst folgende

Arbeitsschritte:

1. Erarbeitung eines konzeptionellen Rahmens für die Untersuchung:

Inwieweit lassen sich die auf Industrieländer bezogenen Debatten zur Entwicklung von Städten und Infrastrukturen bzw. zum Integrationsbedarf der Raum- und Infrastrukturplanung auf die besonderen Bedingungen in Entwicklungsländern übertragen bzw. welche theoretischen Debatten existieren zu den spezifischen Bedingungen der Infrastrukturversorgung in Städten des globalen Südens? Welche Debatten tragen zum Verständnis der Klimaanpassung von Küstenstädten und deren Resilienz im Infrastrukturbereich bei?

2. Analyse der technischen, sozialen und räumlichen Bedingungen der Wasserver- und Abwasserentsorgung und ihre Bedeutung für die Stadtentwicklung Cotonous

Welches sind die technischen, ökonomischen und politischen Merkmale der städtischen Wasserver- und Abwasserentsorgungssysteme Cotonous? Welche Bedeutung haben diese für die Entwicklung Cotonous als Wirtschafts- und Lebensraum, politische Gemeinde und bauliches Ensemble?

3. Abschätzung der möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserversorgungs- und Abwasserinfrastrukturen in Cotonou

Welche Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die Wasserversorgungs- und Abwasserinfrastrukturen lassen sich in Cotonou bereits erkennen bzw. sind zukünftig zu erwarten? Welche Stadträume und Bevölkerungsschichten sind besonders betroffen?

4. Institutionelle Bedingungen und Strategien der Stadt- und Infrastrukturplanung Cotonous

Welche Anpassungsstrategien wurden bisher entwickelt? Welche ökonomischen, sozialen, ökologischen, kulturellen, finanziellen und institutionellen Bedingungen bestimmen die bisher entwickelten Anpassungsstrategien? Wie sehen die Stärken und die Schwächen der bisher entwickelten Anpassungsstrategien aus?

5. Anforderungen für die Stadt- und Infrastrukturplanung

Welche Aufgaben und Erfordernisse institutioneller Reformen ergeben sich für die Stadt- und Infrastrukturplanung aus dem Bedarf der Klimaanpassung? Durch welche Strategien kann die Resilienz städtischer Wasser- und Abwassersysteme erhöht werden? Aufbauend auf eine Literaturanalyse werden für die empirische Fallstudie zu Cotonou überwiegend qualitative Methoden genutzt. Neben der Auswertung bestehender Dokumente (wissenschaftliche Studien, Berichte, Programme, Tageszeitungen, Internetseiten) werden Leitfadeninterviews mit lokalen Experten aus Politik, Verwaltung, Unternehmen, Forschung und zivilgesellschaftlichen Organisationen durchgeführt. Es werden zwei Forschungsaufenthalte geplant, um die Daten zu erheben und um Kooperationen mit lokalen Partnern zu vertiefen.